Buntstiftzeichnung "Beautifully Broken"
- Silke Jungblut
- 6. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Für mich ist Kunst nicht nur Entspannung, sondern vor allem die Verarbeitung von Eindrücken oder Emotionen. Und davon gibt es in unserer Welt ganz schön viele - besonders, wenn man so symbolik-verliebt ist wie ich.
🎨 Da kann es schonmal vorkommen, dass ich mich von einem zerbrochenen Blumentopf auf unserer Veranda so beeindrucken lasse, dass ich ihn zeichnen möchte. Mancher Mensch würde mich vermutlich für bekloppt halten, 42 Stunden Lebenszeit in die Zeichnung eines zerstörten Gegenstandes zu investieren. Aber für mich ist die Darstellung der Szenerie mehr als ein zerstörter Topf. Die Bedeutung erschließt sich aber nur in der Beschäftigung mit der Thematik. Wieso fand ich dieses Bild so spannend, dass ich es abbilden wollte? Der Prozess, der beim Zeichnen in Gang kommt, bringt viel Klarheit, Tiefgründigkeit ... und gleichzeitig auch noch Entspannung. Win-win, würde ich sagen.
🪴 Und was ist jetzt los mit dem ollen Topf?
Ganz schnöde: Da ich vergessen habe, den Übertopf im Herbst wegzuräumen, hat sich im Inneren Wasser angesammelt, das den Topf nach dem Einfrieren zum Platzen gebracht hat. Bumm, kaputt. Die Scherben haben sich konzentrisch um den Topf herumgelegt. Die Stängel des Flieders, der darin mal gepflanzt war, standen stoisch (oder störrisch) weiterhin gerade nach oben.
🌷 Gerade so, als würden sie sich für das Vergehen, Verwelken oder Verrotten überhaupt nicht interessieren. Dahinter die Drachenstatue, mit einem leicht schelmischen Grinsen im Gesicht. Ein unglaublich ästhetischer Anblick, obwohl es sich um einen kaputten Gegenstand in einer völlig alltäglichen Umgebung handelt.
👜 Aber gerade das fand ich so beeindruckend. Im Alltag, in den Augenblicken oder an den Orten, an denen wir Schönheit gar nicht vermuten, ist sie durchaus vorhanden. Wir sehen nur meistens nicht mehr das Schöne in den Dingen, sondern den Zweck, die Leistung oder eben die negativen Aspekte. Den kaputten Topf halt - verlorenes Geld, Müll, Arbeit, weil wir ihn wegräumen müssen. Ich sah die Stängel, die sich nicht der Schwerkraft unterwerfen wollen, die schelmische Statue und die Schönheit in konzentrisch verteilten Scherben.
🏡 Die Scherben dienen jetzt übrigens als Drainage für andere Pflanzen. Die Stängel sind verbuddelt und zu Dünger für neue Pflanzen geworden und die Drachenstatue bewacht den Garten. Dennoch denke ich immer wieder gerne an die Kombination der Drei, oben auf der Veranda. Das Zerstörte, in dem Schönheit steckt. Das Negative, das mit so viel Positivem verbunden war (auch wegen der 42 Stunden Entspannung beim Zeichnen). Der Alltag, der selbst in den Momenten richtig schön sein kann, in denen man es überhaupt nicht vermutet. ☺️
Immer noch bekloppt? Mag sein. Für mich aber kaum mit Worten auszudrückende Symbolik, Ästhetik und 42 Stunden Beschäftigung mit etwas, was andere für völlig wertlos erachten.

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